Eigentlich sollte man ja nicht glaub en, dass ein Achtklässler heute weiß, was er werden will. Frei nach dem Motto “Je früher, desto besser“, ist es politisch gewollt, dass sich die Jugend schon sehr zeitig Richtung Berufsweg orientiert. Nicht zuletzt das verkürzte Abitur zeigt, wo der Hase läuft: Die Gesellschaft will möglichst rasch auf den Nachwuchs zurückgreifen, zumal allerorts vom Fachkräftemangel die Rede ist.

Einer früh einsetzenden Studien- und Berufsorientierung kommt eine immer gröÿere Bedeutung zu. Je früher die eigenen Fähigkeiten und Stärken erkannt werden, desto eher kann in diesen Bereichen eine individuelle Förderung einsetzen, sagt Karsten Holz, stellv. Schulleiter des Städtischen Gymnasiums und Koordinator der Potenzialanalyse, die gestern mit der Übergabe der Berufswahlpässe an rund 100 Schüler der Jahrgangsstufe 8 abgeschlossen wurde. Das neue Übergangssystem Schule-Beruf NRW verpichtet alle weiterführenden Schulen im Kreis Siegen-Wittgenstein, an einer so genannten Potenzialanalyse teilzunehmen.

Das Städtische Gymnasium in Bad Laasphe holte sich das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) ins Boot. Das CJD testete die Schüler auf deren Kompetenzen: Genauigkeit, Konzentrationsleistung, Teamfähigkeit, Sozialverhalten o der Präsentationskomp etenz. Dabei kristallisierte sich heraus, dass immerhin 60 Prozent der Achtklässler einen konkreten Berufswunsch äußerten. Das ist natürlich bei Gymnasien anders als zum Beispiel bei Hauptschulen, so der für Arbeitsmarktdienstleistungen zuständige CJD-Bereichsleiter Dominik Rothenpieler im SZ-Gespräch. Hier hätten die Schüler noch ein paar Jahre Zeit bis zur Berufswahl, dort müsse das recht schnell entschieden werden. Die Ergebnisse waren insgesamt erfreulich. Bei einem Großteil der Jahrgangsstufe seien die üb erprüften Fähigkeiten und Fertigkeiten in hoher bis sehr hoher Ausprägung vorhanden, freute sich Schulleiter Winfried Damm. Es sei trotz des geringen Alters ein erhebliches Bewusstsein für die Wahl des künftigen Berufes oder Studiengangs vorhanden. Mehr als 80 Prozent der Schüler einer Klasse hätten ihren künftigen Wunschb eruf in dem durch die Potenzialanalyse ermittelten Prol wieder erkannt.

Mit dem Berufswahlpass sollen nun das persönliche Stärkenprol und sämtliche Bestrebungen auf dem Weg der Berufsfindung dokumentiert werden. Dafür erhielten die Schüler einen Ordner, sozusagen als Portfolio-Instrument für Eltern, Lehrer, Berufsberater und Betriebe, um die Jugendlichen bei der Suche nach dem richtigen Ausbildungs- und Studienplatz zu unterstützen.

Quelle: Siegener Zeitung vom 25. Juni 2013