Mit dem Gegenbesuch von 17 Schülerinnen und Schülern der Klassen 8 unter Begleitung der Lehrkräfte Karin Fischer und Sebastian Näther ist die erste Runde des neuen Schüleraustauschprojekts zwischen dem „Städtischen“ und der türkischen Cakabey Privatschule in Izmir erfolgreich abgeschlossen worden. Nachdem die türkischen Partner im Mai 2014 Bad Laasphe besucht hatten, kam es jetzt zum einwöchigen Gegenbesuch in der Türkei. Ein Austausch mit Flug auf einen anderen Kontinent in eine Drei-Millionen-Stadt war für alle Beteiligten etwas Neues und für die Schülerinnen und Schüler durchaus eine Herausforderung. Man wusste nicht, was einen in den Gastfamilien erwartete, welche kulturellen Unterschiede beachtet werden mussten, wer Deutsch oder Englisch sprach und auf welche Sprache man sich dann einigen würde. Wird man, wie im ländlichen Wittgenstein, in einem einzelnen Haus wohnen oder in einem Hochhaus gleich am Meer?

Alle diese Fragen und Unwägbarkeiten waren jedoch nach der ersten Nacht verflogen. Alle wurden herzlich aufgenommen und da die eigenen Eltern auch in der Türkei nur einen Handyanruf entfernt waren, kam Heimweh erst gar nicht auf. Die Unterrichtszeiten waren allerdings eine Umstellung. Die Cakabey-Schule ist eine Ganztagsschule mit Vollversorgung vom Kindergarten bis zum Abitur. Der Unterricht beginnt um 9 Uhr und endet frühestens um 16 Uhr, an zwei Tagen der Woche sogar erst um 18 Uhr. Die Schule hat eigene Schulbusse, die die Kinder direkt vor die Haustür fahren.
Izmir ist die alte griechische Stadt Smyrna und hat eine mehr als 3000-jährige Geschichte. So führte der erste Ausflug auch von den Grundmauern des antiken Marktplatzes über die zentrale Moschee der Altstadt aus osmanisch-griechischer Zeit zurück in eine der modernsten Städte der Türkei. Aber beim Tee oder Kaffee unter den alten Gewölben des Basars mit dem Ruf des Muezzins vom nächsten Minarett waren alle endgültig im Morgenland angekommen.

Am zweiten Tag fand eine Exkursion in die Umgebung statt. Die christliche Wallfahrtsstätte am legendären Wohnhaus der Jungfrau Maria, gefolgt von den imposanten Ausgrabungen des antiken Ephesus und der abschließende Besuch im Bergdorf Sirince gaben eine riesige Vielfalt von Eindrücken, die sicherlich noch lange Stoff für Erinnerungen sein werden.

Am Wochenende blieben die Schülerinnen und Schüler in ihren Gastfamilien, die sich teilweise auch untereinander zu gemeinsamen Unternehmungen verabredet hatten. Einige verbrachten die freien Tage in ihren Sommerhäusern, in denen die Familien während der langen Sommerferien wohnen. Die Häuser sind meist an der Küste in der Nähe der vielen berühmten Badeorte.

Nach dem erlebnisreichen Wochenende begann am Montag wieder der Schulalltag. Während die türkischen Partner ihrem regulären Unterricht nachgingen, wurde für die Gastschüler ein Unterrichtsprogramm aus Musik-, Kunst-, Sport- und Technikunterricht organisiert.

Den Abschluss bildete erneut ein Ausflug, diesmal in das eineinhalb Stunden entfernte Pergamon. Auf einem hoch über die Landschaft aufragenden Berg liegen die Ausgrabungen der legendären antiken Stadt, hinter deren immer noch hohen Mauern marmorne Tempelreste weiß strahlen. Der Ausflug endete mit einem typisch türkischen Essen, das wie immer lecker und abwechslungsreich für jeden Geschmack etwas zu bieten hatte.

Nach der letzten Übernachtung und einer herzlichen Verabschiedung von den Gastfamilien und ihren türkischen Partnern brachte der schon bekannte Schulbus die deutsche Austauschgruppe zum Flughafen. Dann noch zweieinhalb Stunden Flug und eine ebenso lange Zugfahrt zurück in die Wittgensteiner und Hinterländer Heimat, aber auch vom türkischen Spätsommer in den bunten deutschen Herbst. Zwei Kontinente, zwei Schulen, 34 Schüler und Schülerinnen, deutsche und türkische Lehrkräfte waren für eine Woche miteinander verbunden und werden diese Verbindung sicher noch viele Jahre lang mit einer großen Zahl von Kindern immer wieder beleben.